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Die Rotspitze im Rofan

Wenn du im Rofan oberhalb des Achensees unterwegs bist, ist die Rotspitze ein wirklich tolles Ziel, das eher im Schatten der berühmten Gipfel wie Hochiss und Rofanspitze steht. Dabei bietet die spitze Felsnadel einen der schönsten Aussichtspunkte im Rofangebirge. Und der Gipfel selbst ist mit ihrer steilen Spitze ein extrem fotogener Gipfel.

Die Rotspitze (2.067 m) gehört zur Hauptkette des Rofan. Geologisch ist sie, wie der Rest des Gebirges, von hellem Wettersteinkalk geprägt. Außergewöhnlich sind die rötlichen Nuancen im Gestein. Sie haben der Spitze den Namen gegeben. Du siehst sie bereits von Bergstation der Rofanseilbahn. Sie bildet zusammen mit dem Dalfazer Kamm eine beeindruckende Kulisse über dem Achensee. Im Vergleich zum recht überlaufenen Wanderweg Richtung Rofanspitze ist es an der Rotspitze deutlich ruhiger. Das liegt wohl auch an der größeren Schwierigkeit der Besteigung. Die Rofanspitze ist kein Gipfel für Anfänger!

Rotspitze mit Ausblick auf den Achensee, das Karwendel und das Rofan
Rotspitze mit Ausblick auf den Achensee, das Karwendel und das Rofan

Das Panorama: Warum sich der Gipfel lohnt

Obwohl die Rotspitze nicht der höchste Berg im Rofan ist, bietet sie eine der besten Perspektiven auf den Achensee, der tiefblau rund 1.100 Meter tiefer liegt. Der Blick reicht von hier oben über das Karwendelgebirge im Westen bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln der Zentralalpen (Hohe Tauern) im Süden. Besonders beeindruckend ist der Blick hinüber zum benachbarten Gschöllkopf mit der Aussichtsplattform „Adlerhorst“.

Auf die Rotspitze wandern

Es gibt verschiedene Wege, um den Gipfel zu erreichen, wobei die meisten Wanderer die Unterstützung der Rofanseilbahn nutzen. Die klassische Wanderung auf die Rotspitze beginnt an Bergstation der Rofanseilbahn bei der Erfurter Hütte: Dies ist der kürzeste Zustieg. Von der Bergstation (ca. 1.840 m) führt ein gut markierter Weg zunächst Richtung Osten. Du wanderst vorbei am Speichersee, über Almwiesen zum Durrakreuz. Von hier hinauf durch felsigeres Gelände. Der Aufstieg zum Gipfel erfordert im letzten Drittel Trittsicherheit. Zeitbedarf: Von der Erfurter Hütte solltest du etwa 1 bis 1,5 Stunden für den reinen Aufstieg einplanen.

Auf die Rotspitze klettern

Die Südwand bietet einige klassische Kletterrouten in festem Kalkfels. Der Kletterstil ist geprägt von technischer Plattenkletterei, steilen Rissen und Wasserrillen. Die Absicherung in den klassischen Routen wurde in den letzten Jahren sukzessive saniert, dennoch bleibt der alpine Charakter in vielen Linien erhalten. Das bedeutet, dass die Hakenabstände oft etwas weiter sind als in einem reinen Klettergarten und der routinierte Umgang mit mobilen Sicherungsmitteln (Cams und Keile) in manchen Routen von Vorteil ist. An der Rotspitze findest du Touren in fast allen Schwierigkeitsgraden, wobei der Fokus auf dem mittleren Bereich liegt. Hier sind drei der bekanntesten Linien:

  • Südwand (Normalweg/Varianten): Es gibt mehrere Linien durch die Südwand, die sich im Bereich IV bis V bewegen. Diese Routen sind ideal für Einsteiger im alpinen Klettern, die den Vorstieg in solidem Fels üben wollen.
  • „Rebitsch-Riss“: Eine legendäre Route, die an den großen Erschließer Hias Rebitsch erinnert. Hier findest du klassische Risskletterei, die Kraft und eine saubere Technik erfordert. Die Schwierigkeit liegt meist im VI. Grad.
  • Moderne Sportkletterrouten: In den kompakteren Wandteilen wurden in den letzten Jahrzehnten auch schwierigere Touren bis in den VIII. Grad gebohrt. Diese zeichnen sich durch weite Züge an Leisten und Löchern aus.

Und nach der Rotspitze?

Wenn du eine Wanderung zur Rotspitze planst, wäre es fast eine Sünde, lediglich den Gipfel zu besuchen und direkt danach ins Tal zu gehen. Du kannst auf der Dalfazalm gut einkehren – oder noch weiter wandern. Die Lage dieses Berges bietet dir nämlich zwei wirklich tolle Wanderungen im Rofangebirge, die aus einer kurzen Gipfeltour ein vollkommenes Bergerlebnis machen.

Die kulinarische Pause auf der Dalfaz Alm

Direkt unterhalb der steilen Westflanken der Rotspitze liegt die Dalfaz Alm auf 1.693 Metern Höhe auf einem sonnigen Hochplateau. Sie zählt zu den urigsten Hütten der gesamten Region und hat sich weit über die Grenzen des Rofans hinaus einen Namen für ihren legendären, hausgemachten Kaiserschmarrn gemacht, während man gleichzeitig den fantastischen Blick auf den Achensee genießt. Für den Rückweg bietet sich von der Alm aus ein bequemer Panorama-Wanderweg an, der fast ohne nennenswerte Steigung zurück zur Bergstation der Rofanseilbahn führt. Dieser Wegabschnitt ist besonders am späten Nachmittag ein wahrer Traum, wenn das Licht weich wird und die Landschaft in goldene Farben taucht.
–> alle Infos zur Dalfazalm

Die Gratwanderung über den Dalfazer Kamm zum Hochiss

Für alle Wanderer, die über eine gute Kondition verfügen und Lust auf zusätzliche Höhenmeter haben, führt oberhalb der Rotspitze ein anspruchsvoller Wandersteig weiter über den Dalfazer Kamm. Diese Route gilt als die wahre Königsdisziplin. Dabei hast du den tiefblauen Achensee permanent zu deiner linken Seite, während rechts die schroffen Felsabbrüche des Rofans aufragen. Nach einer abwechslungsreichen Wanderung über Stock und Stein erreichst du schließlich den Hochiss, der mit 2.299 Metern den höchsten Punkt im Rofan markiert. Von dort oben erwartet dich eine beeindruckende 360-Grad-Rundumsicht, die bei klarem Wetter sogar den Blick bis zum fernen Großglockner freigibt. Dieser Steig erfordert jedoch absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, da das Gelände zu beiden Seiten steil abfällt.
–> so ist es mit dem Hochiss

Die große Rundwanderung als perfekte Kombination

Wenn du das volle Programm erleben willst, empfiehlt sich die große Rundtour, die alle Highlights verbindet. Die Tour beginnt mit dem Aufstieg von der Bergstation zur Rotspitze und führt anschließend über den Dalfazer Kamm zum Hochiss, um den zweiten Gipfelsieg des Tages zu feiern. Der Abstieg erfolgt dann vom Hochiss durch das weitläufige und beeindruckende Rofankar hinunter zur Dalfaz Alm, wo eine ausgiebige Einkehr zur Stärkung auf dem Programm steht. Den Abschluss bildet der entspannte Rückweg über den Panoramaweg zur Rofanseilbahn. Für diese große Runde solltest du insgesamt etwa 4,5 bis 5 Stunden reine Gehzeit einplanen. Es handelt sich um eine anspruchsvolle, aber landschaftlich unvergleichliche Unternehmung, die alles zeigt, was das Rofan so besonders macht: schroffe Gipfel, weite Almböden und den Blick auf das Tiroler Meer.

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